Bettina v. Cossels mörderische Krimiseiten

Alles ganz reizende Leute...

 

Dr. Crippen. Der eher schmächtige Mann, der aus Amerika nach London gezogen war, war alles andere als glücklich verheiratet. Seine Frau Cora war laut, ordinär und bildete sich ein, großartig singen zu können. Crippen versuchte alles, es ihr recht zu machen. Er kaufte ihr Pelze und Schmuck, den er sich kaum leisten konnte, und bestach sogar das Management von Musikhallen, seine Frau dort auftreten zu lassen. Trotzdem beschimpfte sie ihn und fing an, mit anderen Männern zu flirten.

Nachdem sie eine Affaire mit einem Amerikaner gehabt hatte, zog Crippen aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus und verliebte sich unsterblich in eine 19-jährige Arbeitskollegin, Ethel le Neve. Um Ethel heiraten zu können, musste er seine Frau loswerden.

Kurze Zeit später, im Februar 1910, verschwand Cora. Crippen erzählte überall herum, dass sie vorübergehend nach Amerika gefahren sei. Ihren Theaterfreunden kam es merkwürdig vor, dass Cora sich nicht verabschiedet hatte. Noch merkwürdiger war es, dass Ethel, die in Begleitung von Dr. Crippen auf ein Fest ging, mit Coras Schmuck behängt war.

Dann erhielt Dr. Crippen ein Telegramm, dass seine Frau in Amerika gestorben sei, und holte Ethel le Neve zu sich ins Haus am Hilldrop Crescent. Coras Freunde stellten Nachforschungen in Amerika an, erfuhren, dass Cora gar nicht dort gewesen war, und holten die Polizei. 

Crippen erzählte dem Inspektor, dass Cora einen Geliebten habe und ihn wegen dieses Mannes verlassen hätte. Das sei ihm so peinlich gewesen, dass er die Geschichte mit Amerika erfunden habe. Der Inspektor glaubte ihm aufs Wort. Doch als er ein paar Tage später wegen einer Formalität noch einmal vorbei kam, hatten Ethel und der Arzt ihre Koffer gepackt und Hilldrop Crescent verlassen. Nun schrillten selbst bei dem leichtgläubigen Inspektor alle Alarmglocken. Drei Tage später fand die Polizei im Keller des Hauses die Leiche von Cora Crippen. 

Crippen und seine Geliebte wollten in Amerika ein neues Leben anfangen. Ethel schnitt ihr Haar kurz, zog sich Hosen an und die beiden fuhren als Vater und Sohn Robinson über den Atlantik. Dem Kapitän der "Montrose" fiel das merkwürdige Vater und Sohn Gespann an Bord seines Schiffes auf. Sie verkehrten viel intimer miteinander, als für Vater und Sohn üblich, und reagierten auch nicht immer, wenn sie mit ihrem falschen Namen angesprochen wurden. Als der Kapitän einen Schlüsselbund in Ethels Schoß warf, machte sie die Beine auseinander, als wolle sie ihren Rock spannen. Ein Mann hätte die Beine geschlossen, um den Schlüssel zu fangen. Daraufhin schickte der Kapitän ein Telegramm nach England und Dr. Crippen wurde noch an Bord verhaftet.

Crippen bestand bis zuletzt darauf, dass Ethel von all dem nichts gewusst habe, und wurde am 23. November 1910 für sein Verbrechen gehängt. Mit ihm im Sarg lag ein Foto seiner Geliebten und der letzte Brief, den sie ihm geschickt hatte. Ethel le Neve heiratete später einen anderen und starb 1967 im Alter von 84 Jahren in Dulwich.

George Joseph Smith. Von Jugend an ein Dieb und Verbrecher, hatte Smith schon bald keine Lust mehr, sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Frauen lagen ihm zu Füßen und stahlen sogar für ihn. Doch er wollte mehr Geld, als ihm das einbrachte. Also beschloss er, reiche Frauen zu heiraten und dann umzubringen, damit er die Erbschaft antreten konnte.

Er änderte seinen Namen in Henry Williams und steckte der einsamen Miss Mundy, die von ihrem Vater Geld geerbt hatte, fünf Tage nachdem sie sich kennengelernt hatten einen Ehering an den Finger. Kaum hatte sie ein Testament zu seinen Gunsten gemacht, ging Smith los, um eine Zinnbadewanne zu kaufen - seine Mordwaffe. In den folgenden Tagen ging er zwei Mal mit seiner folgsamen Frau zum Arzt und sagte, sie habe einen Ohnmachtsanfall gehabt. Als der Arzt seine Patientin das dritte Mal sah, lag sie tot in der Badewanne, den Kopf unter Wasser und mit einem Stück Seife in der Hand. Smith sagte aus, er hätte nur mal schnell ein paar Heringe fürs Frühstück eingekauft. Bei seiner Rückkehr habe er seine Frau tot in der Wanne gefunden. Es gab keinen Grund, an einem Unfall zu zweifeln.

Leider hielt Miss Mundys Geld nicht lange an, so dass Smith erneut auf Brautschau gehen musste. Diesmal war sein Opfer eine wohlgenährte 26-jährige Krankenschwester, vierzehn Jahre jünger als er. Ihre Eltern waren gegen die Ehe, aber die beiden heirateten im November 1913, nachdem eine Lebensversicherung für die junge Braut abgeschlossen worden war.

Der Ablauf war genau wie beim ersten Mord. Erst zwei Besuche beim Arzt wegen angeblicher Ohnmachtsanfälle, dann goss er seiner Liebsten ein Bad ein. Die Nachbarn in der Wohnung unter ihnen sahen plötzlich einen großen Wasserfleck an der Zimmerdecke und Smith kam aufgeregt herunter, um einen Arzt für seine Frau zu holen. Er habe Eier fürs Frühstück gekauft und sie bei seiner Wiederkehr leblos in der Wanne gefunden.

Das dritte Opfer starb genauso wie Nummer Zwei. Die Vermieterin im Zimmer untendrunter hörte ein Platschen, dann ein langes Seufzen. Zum Schluss folgte ein zehnminütiges Spiel auf dem Harmonium. Fing Smith etwa an, seine Morde zu genießen?

Zu seinem Pech erschien ein Artikel über den Unfall in der Presse und fand die Aufmerksamkeit von Mr. Burnham, dem Vater des zweiten Opfers. Er schnitt den Artikel aus und schickte ihn zusammen mit einer Beschreibung über den merkwürdig ähnlichen Tod seiner Tochter zur Polizei.

Über hundert Zeugen aus verschiedenen Städten wurden geladen, um beim Prozess gegen George Joseph Smith auszusagen. Sogar eine Badewanne wie die, in denen Smith seine Morde verübt hatte, wurde in den Gerichtssaal geschleppt. An einer Polizistin, die sich in die gefüllte Wanne legen musste, sollte gezeigt werden wie Smith seine Ehefrauen erledigt hatte. Ein Mann lehnte sich über das Bad, zog ihre Beine hoch und stieß ihren Kopf unter Wasser. Die Polizistin wäre fast ertrunken, weil sofort Wasser in ihre Nase strömte und sie auf der Stelle ohnmächtig wurde. Fast hätte das Experiment ein schreckliches Ende genommen!

Nach seinem Todesurteil lag Smith nur noch in seiner Zelle, ohne je ein Geständnis abzulegen oder Reue zu zeigen. Heute ist die Szene von George Joseph Smith und einer seiner Frauen, die tot vor ihm in der Wanne liegt, eine der berühmtesten Ausstellungsstücke bei Madame Tussauds.

John Haigh, der Säurebad-Mörder, tötete seine Opfer - insgesamt neun - und machte anschließend einen Einschnitt in ihre Kehle, um sich ein Glas Blut abzufüllen, das er trank. Dann entfernte er Mantel und Schmuck, steckte den Leichnam in einen Tank und ging ins Pub, um eine Tasse Tee zu trinken. Anschließend füllte er den Tank mit Säure auf und wartete, bis sich der Körper zersetzt hatte.

Haigh, der als Kind als Musterschüler galt und jeden Sonntag in die Kirche ging, entwickelte später einen fatalen Hang zu Glücksspiel und schnellen Wagen, die er mit betrügerischen Geschäften finanzierte. Dies resultierte in mehreren Gefängnisstrafen. Seine Ehefrau verließ ihn klugerweise, als er zum ersten Mal ins Gefängnis musste.

Der Säurebad-Mörder wurde schließlich geschnappt, nachdem ein Freund des neunten Opfers diese bei der Polizei als vermisst gemeldet hatte. Haigh, der mit der Toten geschäftlichen Kontakt gehabt hatte, ging von sich aus zur Polizei, weil er von ihrem Verschwinden gehört habe. Aber er verwickelte sich in Ungereimtheiten und die Polizei schöpfte Verdacht. Haigh merkte, dass sich das Netz um ihn schloss, nahm aber irrtümlich an, dass er nicht verurteilt werden könne, wenn es keine Leiche gab.

Dummerweise war aber etwas von Opfer Nummer Neun übrig geblieben. Genau gesagt 28 Pfund geschmolzenes Körperfett, ein Teil des linken Fußes, drei Gallensteine, ein Gebiss und 18 Fragmente menschlicher Knochen, die die Säure nicht ganz aufgelöst hatte. Dank des Gebisses konnte die Leiche eindeutig identifiziert werden.

Während des gesamten Prozesses gegen ihn saß Haigh desinteressiert auf der Anklagebank und löste Kreuzworträtsel. Ab und zu sah er auf und lieh sich einen Radiergummi, um eine seiner Antworten zu korrigieren. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt und starb 39-jährig am 10. August 1949 um neun Uhr morgens. Seine letzten Tage verbrachte er schachspielend mit seinen Wärtern und über der Bibel. Er rauchte die ihm täglich zugestandenen zehn Zigaretten, aß mit gesundem Appetit und schrieb täglich an seine Mutter. Außerdem zeigte er ein ungewöhnliches Interesse für das Wachsmodell von ihm, das in der Kammer des Schreckens von Madame Tussauds ausgestellt werden sollte.

Und außerdem:

Dennis Nilsen, der seine Opfer im Suppentopf kochte, bevor er sie durchs Klo abspülte;

John Christie, der seinen wackeligen Gartenzaun mit dem Oberschenkelknochen eines seiner Opfer abstützte, und ...

... Jack the Ripper, der im Jahr 1888 mindestens fünf Londoner Prostituierte grauenvoll umbrachte und der Polizei detaillierte Briefe schrieb.

"... mein Messer ist so nett und scharf, dass ich gleich wieder zu Werke gehen will..."

Einmal verschickte er sogar eine halbe menschliche Niere. Die andere Hälfte, so schrieb er, habe er gebraten und aufgegessen.